
Bin um halb 5 aufgestanden und habe sage und schreibe eineinhalb Stunden geschlafen. Baaa. Mein Zug ging um 6.55 Uhr und ich bin kurz vor der Abreise nochmal auf die Dachterrasse gestiegen, die natürlich leer war und hab den Morgenhimmel mit Skyline angestarrt. Das war schön. Aber zu den letzten Tagen, die alle wunderbar und meine besten NY-Tage waren. Ich muss sagen, so toll ich die Stadt auch finde, aber der Abschied fiel mir nur halbschwer. 9 Tage waren genau richtig, jetzt freu ich mich auf die Insel. Dennoch: Die letzten Tage in NY waren wirklich die besten drei. Am Freitag bin ich am Vormittag durch Greenwich Village gelaufen. In der U-Bahn dorthin hat sich eine A-capella-Band ein paar Scheine verdient und sich verabschiedet mit: „Don't forget to smile today – don't worry, it won't mess up your hair.“ Sehr schön. Ich muss übrigens sagen, dass in den New Yorker U-Bahnschächten eine Menge unfassbar talentierter Musiker rumsitzen. Aber man muss die gar nicht bemitleiden, denn die verdienen wohl an nem Tag mehr als wir. Davor bin ich jedenfalls noch zum Flatiron Building gefahren. Hat mir total getaugt, dieses Haus. War das erste Hochhaus in New York, 1902. Und wirklich erstaunlich dünn. Eine Schönheit, wenn ich an all die Münchner Klötze denke. Greenwich Village fand ich sehr schön, auch wenn mehr Hype drum gemacht wird als möglicherweise angebracht. Aber dazu später mehr. Übrigens @Judy musste ich furchtbar lachen, weil ich dort 2 Nagelstudios entdeckt habe, das eine hieß Iris, das gegenüber Jay. Muha.
Gegen Mittag bin ich dann zur MoMa gehetzt. Ich hab erst nicht gecheckt, dass es eine hellgelbe und eine dunkelgelbe U-Bahnlinie gibt (so viel zu „ich kenn mich aus“) und aufgefallen isses mir natürlich erst, als ich in der hellgelben Linie saß, die natürlich die falsche war. Murphy's law. Hab den Egoknick aber gleich wieder wettgemacht, indem ich einer Inderfamilie aus dem Stegreif den Weg zur Grand Central erklärt hab. Überhaupt sehr lustig, dass ich hier ständig als Einheimische wahrgenommen werde. In einem typischen Gespräch wage ich immer nach der 5. Frage zu sagen, dass ich gar nicht von hier bin und ernte dann ein überraschtes Gesicht. Multikulti-NY, da fällt ein not-German-but-still-weirdo-accent nicht so auf. ;-) Gehetzt war ich übrigens deshalb, weil die liebe Shirley so nett war, und sich kurz mit mir getroffen hat, um mir das MoMa-ticket zu besorgen. Ich war dann aber 25 Minuten zu spät und habe mich in Grund und Boden geflucht. Aber alles gut. Als ich damals, 200..äh...3?.... in Berlin war, war die MoMa ja auch dort und ich war drin. Wer hätte gedacht, dass ich Jasper Johns' Map nochmal wiedersehe?!
Hernach bin ich dann in den Meatpacking District gefahren und ich schätze ich hatte dann für den Rest des Tages den Mund offen. Was daran lag, dass die West Side in dieser Gegend wunderbar entwickelt wurde. Im Meatpacking District, dem Schlachthofviertel New Yorks, haben sie die alten Lagerhallen in Geschäfte und Cafés umgewandelt und mitten durch geht die High Line: Man kann sich das so vorstellen, dass durch das ganze Viertel eine Fußgängerbrücke gezogen wurde, die sehr stylish und sehr schön gestaltet wurde, mit Liegen, Bänken und viel Grün und man hat von jeder Seite einen herrlichen Ausblick. Sagenhafte Idee.
Ich bin dann Richtung West Village die Bleecker Street (die von Simon & Garfunkel) entlanggelaufen, mein Gott, was für ein traumschönes Viertel. Lauter uralte kleine Backsteinhäuser und alte Bäume. Hier verläuft auch die Christopher Street/Stonewall, wobei ich finde, dass man der Geschichte dieser Straße mit zwei weißen Skulpturen in einem Minipark etwas wenig Tribut zollt. Naja. In der Bleecker Street habe ich dann eine weitere Liebe meines Lebens getroffen: eine Frozen Yoghurt Station. OMG!!! Wieso, WIESO haben wir sowas nicht??! Das schmeckt viel besser als Eis und awwwwww. Ich hab mich mit 5 Kugeln so vollgestopft und hätte trotzdem noch weiteressen können. SA-GEN-HAFT. Allein deshalb sollte ich hierbleiben. Nun ja.
Im Anschluss bin ich dann durch Tribeca gewandert, was ich nur durch Robert DeNiro kenne. Ich verstehe schon, was er daran findet und stimme überein, dass das Viertel Zukunft hat, auch wenn es noch gehöriger Entwicklung bedarf. Das tolle ist, dass der Rockefeller Park ganz nah ist und da ich den an meinem Pisstag im Financial District abgesagt hatte, war ich sehr froh, dass ich bei strahlendem Wetter doch noch Gelegenheit hatte, an dieser wunderbaren Promenade entlangzulaufen. Man hat einen traumhaften Blick auf New Jersey. Ich bin ziemlich viel gelaufen an diesem Tag, aber es hat sich absolut gelohnt. Mir gefällt der Unterschied zu Midtown mit Fifth Avenue, Times Square usw. sehr gut und für mich sind sowohl die Lower West als auch East Side die interessanteren Viertel, auch wenn sie vielleicht nicht über weltberühmte Sehenswürdigkeiten verfügen, aber für jemanden der alte Häuser, Cafés und Flair liebt, also mich, der kann da sicher glücklich werden.
Vorgestern war ich in der früh dann auf der anderen Uferseite im East Village, Richtung Lower East Side, Little Italy und Chinatown. Tramhaft, wirklich. Das East Village läuft Greenwich Village zurecht langsam den Rang als In-Viertel ab. Ich find's auch noch nen Tick schöner. Viele alte kleine Häuser mit den berühmten Staircases außen, zwischendrin haben die Bewohner immer wieder ganz ganz kleine Parks eingerichtet, die zugänglich und mit sehr viel Liebe gestaltet sind, dass einem das Herz aufgeht. Dazwischen findet man Katz's Delicatessen (wo Sally Harry getroffen und ihren Orgasmus vorgetäuscht hat). Wahnsinn, wie vollgestopft der Laden mit Schaulustigen ist, dabei ist der Film wie alt? 20 Jahre? Sympathischerweise weist aber im Laden nix auf den Film hin.
Von Chinatown war ich sehr angetan. Zunächst mal glaubt man wirklich nicht, dass sowas möglich ist, bevor man es nicht selbst gesehen hat. Viele Städte haben ein Chinatown aber DAS ist echt was anderes. Straßenweit nur chinesische Schriftzeichen, man fühlt sich echt wie ein Fremder. Aber geil. Hat absolut Charme. Uuuuuuund, ich habe mein Traum-Kimono-Oberteil gefunden, von dem ich schon seit 10 Jahren träume. Ich bin so glücklich wie ein ausgestopfter Teddybär. Und der kleine Designerladen, in dem ich das Ding gekauft hat, ist möglicherweise das coolste Geschäft, in dem ich JE war. WO findet man heut noch ein Geschäft, in dem die Verkäufer tatsächlich Ahnung von ihrem Produkt UND Geschmack für Mode haben (und nicht zu allem sagen, wie toll es an dir aussieht, nur weil sie dir möglichst viel andrehen wollen). Noch dazu war das Preis-Leistungs-Verhältnis vorbildlich und alle Stücke hand-made. Ich bin hochbegeistert und bin mit dieser Tüte rausspaziert wie mit einem Sack voll Geld. Anyway.
Ich bin dann durch den Cast Iron Historical District zu Shirley's Wohnung gelaufen. Das Viertel ist das berühmte mit den ganzen Außentreppen, das sieht wahnsinnig schön aus, ich will auch so eine Wohnung. Und mittendrin wohnt sie tatsächlich mit ihrem Mann Andrew und der kleinen Isabel (3). Und Ben, dem Labrador, der leider leider bei der Oma war. Dabei streichel ich doch so gerne. :-(
Jedenfalls ist diese Familie wirklich zauberhaft. Andrew ist Künstler und Australier, Shirley ist irischstämmige Kanadierin (Isabel ist also der einzige Ami in der Familie, smartes Küken). Beide haben einen wunderbaren Humor und sind herrlich „normal“ und haben eine sehr schöne Einstellung zum Leben, das sie mit Herz leben. Ich habe ihnen selbstverliebterweise Iris-Blumen mitgebracht und Haribo-Goldbären – das einzig deutsche Qualitätsprodukt, dass ich im Laden nebenan finden konnte. Isabel hat gleich die halbe Tüte vernichtet. Sehr sympathisch. Shirley, Isabel und ich waren dann auf dem Spielplatz und Einkaufen und Andrew hat dann für uns gekocht und wir haben über Gott und die Welt und die richtige Übersetzung von "einen Stock im Arsch haben" geredet (gibt es auch im Englischen). Abgang Samstag.
Und Sonntag, tja, haha, was für ein Tag. Unglaublich. Ich fahre gegen Mittag los nach Coney Island. Hab mir das alles irgendwie gaaaaanz anders vorgestellt. Aber es war deshalb nicht schlechter, ich hab mich nur eher totgelacht ob meiner ganzen Erwartungen. Also, ich fahre also dahin – allein die Fahrt hat mich 90 Minuten gekostet, weil es ein U-Bahn-Chaos gab, aber mei. Dann komm ich da an und eigentlich hatten sie ja für den Tag Regenregenregen vorausgesagt. Als ich da ausstieg, war es gefühlte 50 Grad. Ich latsch also quer durch den Jahrmarkt und muss sagen, der is gar nicht so verfallen, wie ich dachte. Das ist ein ganz normaler Jahrmarkt nach ungarischem Standard. Ja, ok, ich gebe zu, für deutsche Verhältnisse ist er vielleicht ein bißchen verfallen. :)
War irgendwie sehr süß und dann gelang ich ans Ende und auf einmal eröffnet sich vor mir dieser mega Strand. Ich stand da und dachte nur WTF??!! Habe mich innerlich erschossen, dass ich meine Badesachen nicht mitgenommen hab. Aber es sollte ja regnen und mir hat niemand gesagt, dass da SO ein geiler Strand ist, maaaan. Naja. Ich bin dann so 20 Minuten rumgelaufen, hab ein bißchen fotografiert und aufs Meer gestarrt und die innere Pistole nachgeladen. Und auf EINMAL – Gott hat mich anscheinend gehört und hatte Mitleid mit mir – schießt dieser Monsterblitz vom Himmel und die ganzen Bademeister fangen wie blöd an in ihre Trillerpfeifen zu pusten. Hahahahahaha. Ich konnte mich ja entspannt zurücklehnen und beobachten, wie der Himmel innerhalb von 2 Minuten von blau auf schwarz umgeschaltet hat und die Leute sich abgehetzt haben, hre Sachen zusammenzupacken und sich in Sicherheit zu bringen. Ich stand da und hab mich innerlich totgelacht und wusste, ich hab ja nen Regenschirm und alle anderen nicht, hehehe. Tja. Und DANN kam der Regen. Und wenn ich sage Regen, dann meine ich damit den krassesten Monsunregen, den ich je erlebt habe. Vorteil Einheimischer. Mein Schirm hat natürlich nichts gebracht, ich stand nach 2 Minuten bis zu den Knöcheln im Wasser und war pitschnass. Das war aber schon so krass, dass es wieder Spaß gemacht hat. Dennoch, man hätte mich auswringen können. Am Abend war ich immer noch nicht trocken und ich hab mich nicht getraut in irgendwelche Geschäfte zu gehen, um mich zu trocknen, weil ich immer eine Wasserspur hinter mir hergezogen hab, muhaha. Ich hätte zu Armani reingehen sollen, ein paar 1000-Dollar-Kleider anprobieren. ;-) Anyway. Nach 20 Minuten war dann wieder Sonne, ich bin dann aber weitergezogen, noch ein bißchen durch Brooklyn und den Prospect Park spaziert. Wunderbar. Als ich an der U-Bahnstation war, hat's dann pünktlich wieder angefangen zu regnen und ich bin ins Kino gegangen. Hab mich sehr gefreut. Kevin Spacey hatte an diesem Tag nämlich zufällig 50. Geburtstag und ich hab mir seinen neuen Film angeschaut, der auf der ganzen Welt nur in diesem einen Kino läuft! (Testphase). Aber ich war echt glücklich, dass ich diese Chance noch ergriffen hab und war sehr zufrieden mit meiner Ehrerbietung. :-) Und den Anblick war es wert. Yumyum.
Zudem hab ich gleich eine Tüte salziges Popcorn zu Abend gegessen. :-) Jedenfalls bin ich an diesem Abend glücklich aus dem Kino spaziert und kann sagen, das war ein schöner Abschied von NY. ...2 Tage später...
So, ich sitze nun hier auf der Insel und das Internet ist passend zur Abgeschiedenheit meilenweit weg. Ich kann also leider keinerlei Bilder hochladen, dabei sind es ganz viele wunderschöne. Ich hole das auf dem Festland nach, das dauert allerdings noch. Rechnet also in ein paar Tagen mit einer Bilderflut. Bis dahin, begnügt euch mit meiner Erzählerstimme und eurer visuellen Vorstellungskraft (nein, @Haakon, ich meine damit nicht mich im Rara!! ;-)).
Salut.
...einen weiteren Tag später...
Hehe, hab mich in ein fremdes Netz eingeschlichen. Hier sind die letzten Fotos von New York:
![]() |
| New York - Day 7 |
![]() |
| New York - Day 8 & 9 |

