Findet ihr es auch so toll, mit den Zehen im warmen weichen Sand rumzugraben? Mmmh. Naja. Jedenfalls war ich heut auf der anderen Inselseite im äußersten Süden. Dem Wetterbericht glaub ich überhaupt nichts mehr, das war ein Hammertag, Kaiserwetter, warm, sonnig, paradiesisch. Da haben wir's wieder. Von wegen thunderstorm.Ich hatte mir ja gestern das Gaul gemietet und bin also aufgebrochen, in der Hoffnung, dass mir allzu steile Passagen erspart bleiben. Sehr witzig, Iris. Die Hälfte des Aufwärtsweges hab ich geschoben. Aber immerhin. (Beim Rückweg ging's aufwärts schon besser, musste keinmal absteigen *schulterklopf*)
Jedenfalls habe ich erst den alten südlichen Leuchtturm besichtigt, Baujahr 1873. Fein und der Ausblick...puh. Eine der unglaublichen Vorzüge der Meeresschönheit ist, dass man das Ende nicht sieht. Das hat was Großes, Beängstigendes, aber auch sehr Schönes. Na und anschließend bin ich fast mehr durch Zufall an so nem Futziweg vorbeigeradelt und wollt mal kucken, was da ist und auf einmal eröffnet sich hinter der Hecke dieser WAHNSINNSBLICK auf den Strand von Mohegan Bluffs. Mein Gott. Da war der Radeltag gelaufen. ;-)
Der Strand war wunderschön, wenn auch ganz anders als mein "Hausstrand". Die Wellen waren echt der Wahnsinn. Größer als ich. Hab erst eine Stunde alles genau beobachtet, bis ich mich dann endlich auch reingetraut hab, aber es war sehr lustig. Kam mir vor wie ein kleines Kind; es hat Spaß gemacht, Wellenbrecher zu spielen. Meistens hab ich verloren, aber das ist ja fast der Sinn des Spiels ;-) Aber diese Gewalt ist schon unfassbar. Ich habe höchsten Respekt vor dem Wasser.
Der Strand war wieder mal fast leer, ach, wunderbar. Wieso kann es in Europa nicht auch so sein?! Hab da also ein paar Stunden gebraten und bin dann wieder nach Old Harbor geradelt, um das Gaul in den Stall zu fahren. Dann hab ich mir bei drei verschiedenen Läden was zu Essen besorgt, hab mich an den Hausstrand gesetzt und gegessen. Hatte dabei einen echten Hitchcock-Moment, denn kaum hatte ich mein Garlic Bread ausgepackt, wurde ich von 6 zickig-kreischenden Möwen umzingelt. Und wenn ich umzingelt sage, meine ich das wörtlich, die haben einen Kreis um mich gebildet und hinterfotzig in meine Richtung gelugt. Hab mich aber stur gegeben und nachdem drei von ihnen beim Überflug fast in meinen Haaren hängengeblieben wären, haben sie sich dann doch getrollt. Die eine hatte etwas später einen ziemlich sehenswerten Kampf mit einem schnippischen Krebs.
Auf dem Heimweg ist mir am Strand eine kleine, vielleicht 2-Jährige begegnet. Sooo süß. Erst frägt sie mich nach meinem Namen, dann wo ich wohne und wo denn das Haus genau ist und als ich ihr dann viel Spaß gewünscht hab, schreit sie mir doch original entgegen: "BYEEEEE!!! (wirft mir einen Luftkuss zu!). LOVE YA!" Ich hab mich totgelacht.
Naja, das war jedenfalls ein Tag wie aus dem Bilderbuch und dieser Ausblick von überall ist einfach nur herzzerreißend. Und ich weiß, ich hab das schon erwähnt, aber ich genieße diese Einsamkeit auf Vollste. Es ist schön, wenn alle einfach mal das Maul halten. ;-)
Morgen spätnachmittags geht's dann nach Newport. Bye Bye, Block Island. :-(
Aber ich freu mich auf die nächste Station. Zunächst werde ich dort bei Greg wohnen. Über Greg werde ich im Laufe der nächsten Tage noch mehr erzählen, nur vorab so viel: Wir machen beide zum ersten Mal Couch Surfing, er als Gastgeber und ich als Gast. Die Geschichte, wie wir uns gefunden haben, ist sehr witzig: Ich hatte eigentlich Gregs Nachbarn Adam angefragt. Adam ist aber nun zur gleichen Zeit zufällig in Europa. Also hat mir Adam abgesagt mit dem Vorschlag, ich könnte es ja mit Greg probieren. Und ich dachte, wieso nicht?! Ich bin sicher, es wird ein Riesenspaß (sofern ich diese zweistündige fucking Fährenfahrt überstehe, ouf!). Greg ist 48, hat 3 Töchter, ist eigentlich aus Kalifornien und hat an dem gleichen Wochenende noch drei andere Couch Surfer. Wird also sicher konfus gut.
Und außerdem erzählte er mir die ganze Zeit von so einem Folk Festival, das dieses Wochenende, genau wenn ich da bin, in Newport stattfindet und 50-jähriges Jubiläum feiert. Ich dachte mir die ganze Zeit, ah ja, klingt ja ganz nett, mach ma. Und vorhin hab ich das mal gegoogelt und da stellt sich raus: Das ist nicht irgendein kleines Folk Festival, das ist DAS Folk Festival schlechthin! Whoa! Perfektes Timing, Frau Spiegelberger! Ein Auszug aus dem Line-Up: http://www.folkfestival50.com/music-schedule.html Hab ich ein Glück, oder was?! Und Greg hat gesagt, er hat ein ticket über und es gehört mir! Yahooooo!
Naja, jedenfalls ist der Greg wirklich ein ganz Netter und holt mich sogar vom Hafen ab. Ich hab schon gesagt, ich werde ihn zwingen mit mir Essen zu gehen und er wird sich vollstopfen müssen, damit ich auch ja eine hohe Rechnung hab und mich für die drei Tage Rundum-Bespaßung nicht ganz so schuldig fühle. Oder ich gehe für ihn in strömendem Regen mit seinem Hund spazieren. Ich glaub, er hat aber keinen Hund. Naja. Jedenfalls bin ich sehr gespannt und glaube, dass wird alles sehr gut. Wenn nur nicht diese Fähre wäre (uuu, das war mein innerer Pumuckl).
Nun ja, für morgen 15:30 habe ich zunächst mal einen Termin mit Taxifahrer Brien ausgemacht. :-) Brien's Visitenkarte ist geil, da steht: "Call Brein." Das Brein ist durchgestrichen und drüber steht mit Hand geschreiben "Brien". Hahaha. Die Karten hat auch ein Deutscher gedruckt. Brien hat jedenfalls einen Vogel. Im Ernst! Als ich ihn heute am Hafen angequatscht hab, saß eine Art Spatz auf seinem Seitenspiegel und zwitscherte und er meinte nur lässig zu dem Vogel: "Jetzt nicht, ich hab nix zu Essen da und außerdem unterhalte ich mich grade!" Hahahaha. WTF?! Tja, sowas gibt's nur im Paradies.
So. Fotos vom heutigen Märchentag gibt's hier:
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| Block Island - Day 4 |
Gute Nacht von der Insel.
I'sland
