Ich dachte, das ist ein schöner Titel für dieses Foto. :) Ja, ich lebe noch und wie ihr unschwer erkennen könnt, habe ich mir die weiß-roten Streifen der US-Flagge aus Liebe zu Amerika gleich mal in die Haut eingebrannt. AUA! Ich Trottel hab die Sonnencreme vergessen. Mit Hitze komm ich nämlich super zurecht, aber das meine Haut das anders sieht, ist mir entfallen. War jetzt 2 Tage von morgens bis abends unterwegs und war immer zu k.o., um noch zu schreiben. Jetzt sitz ich im Zug nach Philadelphia, habe eine kurze Auseinandersetzung mit einem Amtrak-Arschloch hinter mir (der erste unfreundliche Amerikaner, den ich getroffen hab), aber man lernt ja draus. Ich musste mein Gepäck übrigens nicht schon 3h vorher einchecken, ich bin so froh. Sie haben die Regelungen kürzlich geändert und nun darf man es auch mitnehmen. Nun gut. Ich hoffe, ich kann mich noch an alles erinnern, was ich euch erzählen wollte. Ich versuch's mal chronologisch.
An meinem 2. Tag in Washington hab ich die gesamte Mall erkundet. Wenn ihr das mal bei google maps eingebt, werdet ihr feststellen, dass das ziemlich viel ist und dementsprechend war ich 9h am Rumlaufen, abends waren meine Füße wie Brei. Hat sich aber alles gelohnt. Mein Gott, ich hab das ja schon mal gesagt, aber diese Stadt ist einfach eine Schönheit. Zunächst war ich nochmal am Weißen Haus und prompt fuhr doch die super Regierungs-VIP-Wagenkolonne an mir vorbei mit Polizei, tatütata und dem ganzen Aufwand. Natürlich konnte ich nicht sehen, wer drin saß. Obama war meines Wissen nach zu dem Zeitpunkt in St. Louis, also kann er's nicht gewesen sein, aber irgendjemand Wichtiges wird’s schon gewesen sein. Bissi übertrieben, dass sie dafür den gesamten Straßenzug um das Weiße Haus absperren, aber mei.
Jedenfalls kam ich dann Richtung Capitol am Smithsonian Institute vorbei, meiiii. Sieht aus wie ein kleines Schloss und der dazugehörige Garten ist eine Oase. Ja, das ist das richtige Wort. Ich wollte gar nicht mehr weg, vor allem weil bei 32 Grad Hitze auf der Mall entlangzuwandern biiiißchen heiß werden kann. So ganz ohne Schattenplätze. Es ist Wahnsinn, wie lang dieses Ding ist. Vielleicht erinnert ihr euch noch an die Inauguration von Obama, als man dieses Luftbild gesehen hat. Jetzt weiß ich, wie bedeutend dieser Mann für Amerika sein muss, denn 4/5 der Leute, die da auf der Mall waren, können nichts gesehen haben. Und sie waren trotzdem da.
Das Capitol an sich ist schon sehr beeindruckend. Leider war ich nicht drin, aber ich steh auf diese weißen Gebäude. Ich frag mich, wie oft sie das schrubben oder wie das so weiß bleibt. Geologen und Architekten, bitte aufklären. Sagenhaft. Aber da sagen die Fotos mehr als mein Gebabbel. Und drumherum grün, grün, grün. Zauberhaft. Wenn man bedenkt, dass diese Stadt zwischen 1790 und 1800 geplant und gebaut wurde... Respekt. Was mir da allerdings einfällt, ist: In der gesamten Innenstadt gibt es keine Läden. Es gibt hier und da mal n Supermarkt oder Subway, McDonalds etc., aber Klamotten und Gebrauchsgegenstände – NULL. Das ist schon seltsam. Einerseits verständlich, weil die Leute ja alle außerhalb wohnen, aber im Grunde entgeht denen ja ein Mordsgeschäft mit den Touristen. Das einzige, was die da kaufen können sind Barack-Obama-Wackeldackel und Michelle-Obama-First-Lady-Nagelfeilen. Unfassbar. Was für ein Scheiß, aber schon SO ein Scheiß, dass man es sich wieder kauft. (NEIN, ich nicht.:-))
Anyway. Wo war ich? Ach ja, Capitol. Dahinter ist die Library of Congress (innen sehr schön) und der Supreme Court (innen naja) und was ich generell total cool finde, zumindest in Washington, ist dass man überall, in jedes Museum und selbst in die beiden oben genannten umsonst rein kann. Die Dame neben mir im Zug hat mir gerade erzählt, dass die alle government-funded sind. Aha. Also deshalb. Das führt mich zum NASA-Museum. Dafür, dass es das meistbesuchte Museum der Welt ist, fand ich's ziemlich langweilig. Naja, es ist halt nett, aber ganz ehrlich, das Deutsche Museum hat mehr drauf. Besonders schön fand ich eine Durchsage im Museum: „This is a lost child announcement. A child has been found in the museum. If you have lost a child, please come to the information counter.“ Klingt das nicht wunderbar? :-) Als würde es sich um ne Geldbörse handeln. Sie mussten die Durchsage dreimal machen. Das Kind ist offenbar also nicht wirklich vermisst worden. Lol. Im Museum ist mir aufgefallen, dass Apollo 11 dieses Jahr 40 Jahre her ist. Gruslig, als ich mir da die Gedenktafeln durchgelesen hab. (Des wär übrigens auch a Gschicht bei uns wert, find ich, oder?!)
Naja, das Nächste war dann das World War II Memorial – ein riesiger Brunnen, in den ich erstmal meine Füße reingehangen hab. Nicht aus Respektlosigkeit, wobei man mir das als Deutsche wohl als Nazitum durchgehen hätte lassen. Nein, das machen dort alle. Wenn man von da dann hinter geht, den langen Reflecting Pool zum Lincoln Memorial, hat das schon sehr was von Nymphenburg. Die Lincoln-Statue an sich fand ich atemberaubend. Wie kann man einen Menschen so präzise in Stein meißeln?! (Geologen?) Krass! Sieht saugeil aus. Und wie er da so sitzt, in grace and glory, das atmet Geschichte und...und...mir fällt das Wort grad nicht ein, aber man ist auf jeden Fall sehr bewegt.
Anders beim Vietnam-Denkmal. Die Wand an sich mit den abertausenden von Namen ist schon WOW, aber ich hab mir das irgendwie größer vorgestellt. Und das der Stein reflektiert (Geologen, wieso?), nervt irgendwie, weil man die Namen erst auf den 2. Blick erkennt. Was ich dagegen sehr..hm...einerseits rührend und gleichzeitig schockierend fand war folgendes: Ich ging also da die Wand entlang und man bleibt halt immer mal wieder stehen und betrachtet. Und um mich herum waren lauter junge Amerikaner: Einer hat seiner kleinen, vielleicht 4 Jahre alten Tochter den Namen seines Onkels an der Wand gezeigt. Eine andere stand an der Wand, hat immer wieder über einen Namen gestrichen und fast geweint. Und so weiter. Man geht mitten durch Washington, voller happy sunshine Amis und auf einmal kommt man an diesen kleinen Ort mitten im Park und alles ist anders. Als ich dann das Buch entdeckt hab mit den ganzen Namen der Gefallenen... das liegt da so aus, wie ein Telefonbuch, schaut auch so aus, aber es enthält nur Tote. Absurd.
Nun ja, zu fröhlicheren Gefielden: Ein Stück weiter vom Vietnam War Memorial liegt ein Flecken Paradies. Eine klitzekleine Halbinsel, als Denkmal entstanden für die Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung. Ein kleiner Holzsteg führt dahin und als ich da ankam, war keine Sau da. Ich hatte alles für mich und diese Ruhe und diese Aussicht bei dem Wetter, ja, das war pures Glück.
Als ich ins Hotel zurückgekommen bin, ist mir dann der Vorteil USA eingefallen: Late Night Shows! Feinfein. Auch wenn sowohl Conan O'Brien als auch Jimmy Fallon nicht ihren besten Tag hatten. Mein Freund Aubry, der Hotelboy, hat mir dann noch den Weg zum Supermarkt gezeigt, so süß. Schade, dass ich ihn heut früh nimmer gesehen hab, ich hätt mich gern verabschiedet.
Die Fotos vom Tag:
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| Washington - Day 2 |
Kreuzgedanke: Mir fällt grad auf, ich kenn gar keine Geologen. Hm. :-7
Naja, am Tag drauf war ich dann jedenfalls in Arlington, wo der riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiesige Soldatenfriedhof ist. War auch mein erstes Mal mit der Washingtoner U-Bahn, die sehr cool ist und die Mitarbeiter sind zum Totlachen witzig. Ich weiß das daher, dass ich zu blöd war, um das Ticketsystem zu checken und daher mehr als einmal auf Hilfe angewiesen war. Einmal hatte ich so ein geiles Ticket mit Barack Obama auf der Rückseite. Das wollt ich als Andenken behalten und dann hab ich festestellt, dass der Ticketautomat das Ticket einbehält, wenn es entwertet ist. Neiiiiiiiiiiin. Dann hab ich extra ein neues gekauft und $1,65 ausgegeben und auf dem war dann ein Pandabär. Ein PANDABÄR! Hmpf. Da war ich sauer und bin heut früh mit der U-Bahn zum Bahnhof gefahren, um den blöden Panda zu entwerten.
Aber ich war ja bei Arlington. Verschiedene Sachen dazu. Mir war's irgendwie wichtig, das JFK-Grab und auch das von Robert zu besuchen, jetzt hab ich mich so lang damit beschäftigt und das war schon irgendwie so ein "hier bin ich endlich, Jack"-Moment. Interessant, dass diese Ikone dann doch so ein schlichtes Grab hat. Wenn man so über die Felder und Hügel voller weißer Grabsteine kuckt, dann bekommt man eine Ahnung davon, was Krieg eigentlich bedeutet. Dieser Friedhof beherbergt über 250.000 Gräber und ich war auch auf dem abgelegenen Teil, auf dem noch viel Platz für weitere ist. Das Gebiet ist so riesig, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen und soweit das Auge reicht nur weißer Stein. Die Ruhe dort find ich sehr schön, man fühlt sich ein bißchen wie mitten in Kansas. Man hört bei gefühlten 40 Grad nur die Grillen und alle 30 Minuten begegnet man vielleicht mal jemandem. Es ist ein sehr schöner Ort. Als ich so die ganzen Widmungen am Wegesrand gelesen hab, hab ich mir unweigerlich Gedanken darüber gemacht, was die USA doch für eine komplett andere Einstellung zu ihrem Militär haben. Ich will diese extreme Ehrerbietung gar nicht abwerten, es ist halt einfach anders. Die Soldaten sind der Inbegriff des Stolzes dieser Nation und umso härter trifft es sie, wenn sie verwundet werden.
Ich hab mich dann irgendwie etwas verlaufen und in der Hitze war das ziemlich beschissen, um ehrlich zu sein, weil ich garantiert 2km zurücklaufen musste und weit und breit kein Baum mit Schatten. Ich war gerade dabei mich innerlich zu verfluchen, als vor mir auf einmal ein Leichenzug auftauchte!! Ich hab das nicht fotografiert, das wäre irgendwie geschmacklos gewesen, aber ich hab selten so was... wie soll ich sagen... gesehen. Die Army war versammelt, alle in Uniformen, die Blaskapelle, die Generäle in voller Montur mit den ganzen Auszeichnungen, etc. Und ich habe dann tatsächlich aus einiger Entfernung (ich hab mich nicht getraut näher ran zu gehen) die 6-spannige schwarze Pferdekutsche (auch die Pferde waren rausgeputzt) mit dem in die US-Flagge gehüllten Sarg gesehen. Ich hätte gerne gewusst, wär da drin lag. Das war schauerlich. Wär erlebt sowas schon mal mit? Und das ich da war, war ja eigentlich nur Zufall.
Danach bin ich dann mit 2 Plattfüßen noch durch den Potomac Park vom FDR Memorial bis zum Jefferson Memorial gelaufen. Irgendwie haben in jeder Stadt immer diesselben Präsidenten Denkmäler. Hat schon mal jemand was von einem Harding oder Coolidge Memorial gehört? Aber mir soll's recht sein, das waren ja auch die Besten. Vor allem Franklin Delano. Groß. Aber ich schweife schon wieder ab. Ach ja, es ist wirklich unglaublich, wie viele Eichhörnchen es in Washington gibt. Die regieren heimlich die Stadt. Mit einem hab ich dann lunch break gehalten, meinen Cookie geteilt und ihr glaubt nicht, was das Kerlchen dann als Nachspeise noch alles aus dem Müll gefischt hat. Ich habe dankend abgelehnt.
Eigentlich waren meine Füße zu diesem Zeitpunkt schon Matsch, aber ich habe dann abends doch noch den Weg nach Georgetown auf mich genommen. Das ist so das Studenten- und Vergnügungsviertel von D.C. und war früher mal ne eigene Stadt, die viel älter ist als Washington. Die Häuser!!!! Und die Uni!!! Mei. Ich will ja nicht schon wieder die LMU dissen, aber wenn noch einmal jemand sagt, unsere Uni wäre doch ganz schön, leg ich demjenigen einen abgetrennten Pferdekopf ins Bett. Ihr wisst schon...
Fotos zum dritten Tag in der Capital gibt's hier:
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| Washington - Day 3 |
Ich muss übrigens angeberisch feststellen, dass ich in 3 Tagen bereits 2 Leuten auf Anfrage den Weg bzw. die Sehenswürdigkeiten erklärt hab, ohne in die Karte zu schauen. Wie würde Kevin Spacey sagen: I rule!
Das Fazit lautet: Dear Washington, ich komme 100%ig wieder!!!! Ich liebe Dich.
Übrigens funktioniert mein Handy in den USA nicht, also schreibt mir keine sms, ich krieg sie nicht. Gleich muss ich aussteigen, bin gespannt auf Philly.
Bussi links, Bussi rechts.
die I

