12 August 2009

Bonjour de Montréal!

Heieieiei, mein Französisch ist mittlerweile echt das Letzte! Das geht so nicht, da muss sich was ändern. Ich hab ja noch ein Glück, dass ich in einer Großstadt gelandet bin, immerhin verstehen die hier auch meist Englisch. Zumindest verstehen die Quebecer Wörter wie "Fuck!" - mein erstes Wort auf kanadischem Boden. Denn nach einem wunderbaren Flug erwartete mich auf dem Flughafen erstmal die Hölle. Ich dachte ja es wären die Amis, die einen gewissen militärischen Sinn für Ordnung besitzen, aber als ich vom Flieger Richtung Gepäck dann in dieser Flüchtlingshalle (zumindest kam ich mir so vor) ankam, wurde mir klar, dass die Kanadier ihnen da in nix nachstehen. Im Gegenteil. Ey, ich stand ne Stunde in einer bestimmt ein Kilometer langen zick-zack-Warteschlange an, nur um meinem Pass kontrollieren zu lassen und die Border Control anzulügen, ich hätte nichts zu Essen dabei. Geht's noch?? Und dann endlich, endlich draußen aus diesem Zoo will ich mir einen U-Bahn-Plan vom Infostand besorgen, da sagt die Lady doch original, nein, den kann ich nicht nehmen, der ist nur für ausländische Studenten. (Häää? Ich möchte anmerken, es gibt nur einen U-Bahn-Plan, außerdem suggeriert mir das, ich würde nicht studentisch aussehen, was mich grundsätzlich freut, allerdings nicht, wenn ich einen U-Bahn-Plan will, grml). Ich hab sie nur angeschaut und mir einen genommen. Sie hat verzweifelt gelächelt.
An diesem Punkt war ich dann bereits leicht angenervt und dachte, ach, ich leiste mir ein Taxi und war dann sehr froh, als ich schon von Weitem das Schild "First Customer, First Taxi" gesehen habe. Als ich aber durch die Tür ging, was seh ich da? Eine zick-zack-WARTESCHLANGE! Ist Waiting-in-line ein kanadischer Volkssport? Das Beste kam ja dann aber noch. Als ich nach bestimmt 15 Minuten endlich im vorderen Drittel der Schlange angekommen war, hat einer der Trottel die Schlange von hinten geöffnet, so dass die letzten als erstes Taxis zugeteilt bekamen. Wow. Das war's für mich. Ich habe dann auf meinen reichen Wortschatz an englischen Flüchen zurückgegriffen und dem Typen klargemacht, dass ich "First Customer, First Taxi" eigentlich nicht als Witz verstanden habe und er entweder diese scheiß Organisation sofort einstellt oder ich mir selber ein Taxi schnappe und dann ist's mir ziemlich wurscht, der wievielte Customer ich bin. Das hat wohl gesessen, denn er hat mich dann gleich an den nächsten freien Stand eskortiert. Als dann aber das nächste Taxi angefahren kam, meint er doch tatsächlich, aber ich bräuchte ja sicher keinen Van. HALLOOO? skhödn iösfjyxtuödcöd bfmvkä jddoopdbdb. Ich hab dann das nächstebeste kleine Taxi genommen und hab drei Kreuze gemacht, als ich von diesem Flughafen weg bin. Naja.
Das Hotel ist sehr schön. Hihi, ich wohne direkt im Quariter Latin, das ist so das Schwabing Montréals und es ist schön zu sehen, dass hier kulinarisch wesentlich mehr Länder vertreten sind als in den USA. Ich kann mir also täglich aussuchen, was ich mag. Oh, und zum Frühstück kriegt man in meinem Haus täglich so ein kleines Picknickkörbchen vor die Zimmertür gestellt, mit Yoghurt, Obst, Muffin, Croissant, Käse, Milch, Butter, Marmelade, Orangensaft und Wetterbericht (der nie stimmt, aber die Geste zählt). Genial! Und man kann hier das Fenster öffnen, Weltwunder!
Ich will ja meinen ersten Eindruck von Kanada nicht überbewerten. Außerdem bin ich im französischen Teil, das heißt, die Leute hier sollten von Geburt an eh schon alle nuts sein. Ich glaube, Kanada ist die Schweiz Amerikas. Mir scheint, die leben hier alle unter einer Käseglocke und sind einfach zufrieden mit ihrer Abgeschiedenheit. Wenn ich mal jemanden treffe, sind sie alle sehr freundlich. Denn irgendwie scheint hier niemand zu wohnen, die Straßen sind meist menschenleer, wo sind die denn alle? Bei moose und beaver?
Naja. Montréal hat jedenfalls seine schönen Ecken, auch wenn die Stadtplanung etwas misslungen ist, weil es keine wirkliche Innenstadt, dafür eine Untergrundstadt á la Stachus gibt. Die Stadtmitte ist relativ belanglos, man muss eher in die Ränder fahren, um was zu sehen, aber das lohnt sich allemal und die U-Bahn-Verbindung ist super. Ich genieße es sehr, mir hier und auch in den USA ein Einfach-Ticket zu kaufen, das ich benutzen kann, wohin ich will, solang ich will. MVV, schämt euch.
Am 1. Tag war ich in der Altstadt, die etwas grau aussah, weil der Himmel auch so bewölkt war. Es war aber trotzdem 28 Grad und ich hatte das grau leicht fehlinterpretiert, also hab ich mich in meiner langen Hose den ganzen Tag totgeschwitzt. Mein Highlight war der Sacré-Coeur. Innen wirklich bombastisch. Ich hab mich langsam dran gewöhnt, dass "no photography" hier heißt, man darf nur nicht mit Blitz fotografieren. Jetzt frag ich mich, ist das bei uns auch so? Oder werde ich weiterhin festgenommen, wenn ich in der Theatinerkirche den Blitz einschalte? Hm. Naja. Jedenfalls ist es sehr interessant, hier durch die Straßen zu wandern, denn es ist ein Mix aus Ami- und Franzen-Kultur und es kommt mir so vor, als hätten sich die Kanadier nicht wirklich entscheiden können und einfach aus beiden irgendwas übernommen, was teilweise in sehr skurrile Kombinationen ausartet. Generell sind die Speisekarten jedoch immer noch auf französisch mit englischen Untertiteln und die Ansager-Lady in der Ubahn sagt "prochaine station" statt "next stop". Passt scho. Ein bißchen erinnert mich Montréal allerdings an Philadelphia. Hier reden auch alle mit sich selbst.
Mein 2. Tag hat mich in den Parc Olympique geführt. Das ist quasi das Olympiadorf der Spiele nach München, nämlich von 1976. Interessant, weil die Ähnlichkeit teilweise echt da ist, was die Häuser angeht. Sieht ein bißchen so aus, als hätte sich Montréal da einiges abgeschaut, allerdings kann ich völlig uneingebildet feststellen, dass an unser Münchner Modell nichts rankommt. Wir haben immer noch das schönste Stadion und den schönsten Park. Das Ding in Montréal sieht aber trotzdem cool aus.
Zunächst war ich aber im Botanischen Garten, der wirklich riesig ist. Ich hab gelesen, es ist der zweitgrößte der Welt. Die haben da echt alle möglichen Themenparks eingerichtet, sehr schön gemacht und ich hab da den halben Tag verbracht, bevor ich auf den Turm hochgefahren bin. Ach ja, ich war übrigens im Botanischen Garten auch im Insektarium. Ich hab mich reingetraut, aber ich bleibe bei meiner nazionalsozialistischen Meinung: Insekten gehören alle vergast. Bäää. Hätte die Natur da nicht was Besseres schaffen können, was Niedlicheres, sowas wie Hummeln, mit kleinen Pelzchen und Schnäuzchen zum Streicheln? Nicht so widerliches Getier im Camouflage-Look mit Augen, die an einer Schnur hängen. Ach, naja. Ich war jedenfalls froh, als ich zum Turm durfte.
Das coole am Olympiaturm hier ist, dass man von außen mit einer Seilbahn hochfährt, man sieht also den Weg nach oben. Ich habe mir natürlich während dieser 2-Minuten-Fahrt die ganze Zeit ausgemalt, wie das Seil reißt. Jedenfalls hat man von oben wirklich eine nette Sicht auf Montréal, wobei die mal wieder die Fenster putzen könnten, denn von der ganzen Vogelscheiße könnte es schon sein, dass ich die ein oder andere Sehenwürdigkeit in der Ferne übersehen habe.
Gestern gab es einen kurzen Schauer, den ich allerdings nicht miterlebt habe, denn ich habe furchtbar lange im Hotelzimmer gegammelt. Was aber sehr schön war, weil ich so lange nicht mehr nichts gemacht habe. Aber als ich spätnachmittags vor die Tür getreten bin, hat es herrlich gerochen, nach Regen und Wald und Wiese und zum ersten Mal dachte ich klischeehaft, aaah, das ist Kanada. Morgen geht's mim Zug den Ontariosee entlang nach Toronto und ich bin schon gespannt, ob ich denn was von der schönen Landschaft erblicken werde.
Es ist übrigens sehr schwierig von hier aus Postkarten zu schicken. In Boston hatte ich schon Probleme, weil alle Karten zu Tode bearbeitet waren und einfach künstlich aussahen. Hier liegt das Problem darin, dass die Kanadier wohl ihr Naturimage pflegen wollen und nur Postkarten anbieten, die Kanada im Winter oder Herbst zeigen. Tssss. Ich habe versucht, das zu umgehen, aber die Auswahl war nicht besonders groß. Bin übrigens auch die ganze Zeit schon, romantisch wie ich bin, auf der Suche nach einem Ahornbaum, wo ich ein Blättchen als Erinnerung abzweigen könnte. Hm. ich weiß ja nicht, ob die kanadische Flagge von einer Marketingfirma entworfen wurde, aber HIER GIBT'S KEINE AHORNBÄUME!!!
SO. Jetzt werde ich mich erheben und den Rest der Stadt erleben, die Sonne scheint, es ist sauheiß und all is neat.
Fotos von Tag 1 und 2 (Tag 3 hätte nur Faulenzfotos von mir ergeben) gibt's hier:
Montréal - Day 1 & 2
In a bit,
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