17 August 2009

God Save the Queen!

Phew, what day, what a day. Das Aufbleiben gestern hat mich heut geschlaucht. Zunächst möchte ich meine Aussage vom letzten Eintrag zurücknehmen: Es war naiv von mir zu behaupten, die Besatzung des Rich Tree Marktes würde den musikalischen Fehler nicht nochmal machen. Als ich heute dort anstand, spielten sie doch tatsächlich...jetzt Achtung... Yvonne Catterfeld!! Huuh??? Leider hatte ich da die Waffeln mit Ahornsirup schon in der Hand und der Veggie Fajitas war auch schon bestellt. Ich meine: Nicht, dass es irgendwas gäbe, was mir den Appetit verderben könnte, aber nah dran wars schon. Wie kommen die Kanadier bitte auf dieses deutsche Fischgesicht? Naja. Danach kam Eros Ramazotti, vielleicht haben sie eine Hitmix Europe-CD oder sowas, aber ich hätte auch da eher PUR verkraftet als dieses Gekreische. Naja.
Aber ich muss von gestern erzählen. Was für ein unfassbar sagenhafter Tag. Ist sicher in meinen Top 5-Erinnerungen. Ich hab mir eingebildet, ich möchte die Queen Street zum Strand zu Fuß zurücklegen. Nun ist die Queen Street eine DER Straßen in Toronto, die vom äußersten Osten zum äußersten Westen reichen. Was also auf der Karte machbar aussah, entpuppte sich dann als 3h-Marsch (ein-fach wohlgemerkt). War aber eine wunderbare Strecke, ich will mich nicht beschweren. Und ich kam mir vor wie in einem Roadmovie der 60er. So sah die Gegend nämlich aus. Wäre Captain America in Easy Rider zu Fuß gegangen, wäre er sicher stolz auf mich gewesen. Die "Aussicht" war sensationell. Ich bin nämlich durch Old Town gelaufen, dem alten Stadtviertel mit wunderbaren uralten Häusern, wie man sie aus den alten Filmen kennt und überall kleinen gemütlichen Cafés, mei. Ein Traum! Als ich dann endlich nach rechts zum Strand abbiegen musste, hat's mir fast leid getan - auch nach 3h.
"The Beaches" war zunächst zwar schön, aber bißchen Rimini-Style. Ich hatte keine Lust auf so viel Menschen, also hab ich gleich die Bucht erspäht, etwa 1km weiter, den Ashbridge's Bay Park. Ich weiß nicht, ob die Leute alle zu blöd sind oder wissen, dass das das (hahaha) Paradies ist und einfach zu faul zum Laufen sind, aber als ich da ankam, war da keine Sau, das Wasser war wunderbar klar und man hatte Platz und Ruhe. Paradiesisch! Ich war so happy.
Ich bin ewig auf den Klippen gesessen und hab nur aufs Blau gestarrt und den Grillen gelauscht und die Sonne genossen und die Brise gefühlt. Oh boy. Anschließend bin ich noch a weng durch den Park gewandert und allein dafür lohnt es sich nach Toronto auszuwandern. Einfach unbeschreiblich genial und wunderschön! Die Kombi Natur + Großstadt inkl. Wasser machen mich schwach. Aber ich lasse lieber die Fotos sprechen.
Auf dem Nachhauseweg hab ich mich dann ein bißchen verlaufen, zumindest dachte ich das, weil ich bestimmt 30 Minuten auf einem Feldweg am Hafen entlanggelaufen bin und niemanden getroffen habe. War aber der richtige Weg, aber wahrscheinlich ist keiner so blöd wie ich und läuft die ganze Strecke in sengender Hitze. Mich turnt sowas aber an, muss ich sagen, ich werde nicht erschöpft, ich genieße das. Aber der Weg zurück war wirklich laaaaaaang und als ich dann an einer Schnellstraße rauskam, dachte ich wirklich, ich bin hier falsch (und gleich tot). War aber doch der richtige Weg und hinter dem nächsten Haus war ich auf einmal im Distillery District, dem historischen Viertel Torontos. Das hab ich dann auf dem Heimweg natürlich gleich noch mitgenommen, musste mich allerdings auf dem Weg zu den alten Fabriken durch gleich 2 Hochzeitsgesellschaften drängeln. Wer weiß, vielleicht bin ich sogar auf einem Gästefoto drauf, muha. Übrigens hab ich gestern sage und schreibe acht Hochzeitspaare gesehen. Es gibt nichts schöneres, als wenn man ein Paar sieht, dass äußerlich so gar nicht zusammenpasst. Da fang ich an, an die Liebe zu glauben. Die sind viel süßer als diese Designerpärchen. Außerdem hat es die Große mit den Segelohren natürlich bei einer Scheidung viel einfacher, ihren kleinen fetten Mann zu beleidigen. Anyway.
Aufgrund meines Geh-Rekordes unter der Sonne Kanadas habe ich nun einen Latino-Teint. Si! Während die Sonne gestern aber erträglich war, war heute das komplette Gegenteil der Fall. Als ich zur Harbourfront aufgebrochen bin, dacht ich, ich krieg einen Hitzschlag. Und dann war ich ausgerechnet in einem Gebiet unterwegs, wo es keinen Schatten gibt. Man gewöhnt sich aber schnell dran, dass man ein wandelnder Wasserfall ist. Seit ich hier bin, hat es durchgehend bestimmt 30 Grad. In den Zeitungen ist die Hitzewelle Schlagzeile. Keine Sorge, ich geh ja bald. :-)
Der Hafen war relativ überfüllt mit Touris, weshalb ich dann schnell landeinwärts geflüchtet bin, wo's 1. kühler und 2. leerer war. Um nicht zu sagen, münchnerisch. Erstaunlich zu sehen, dass diese Megastadt wie bei uns sonntags komplett ausgestorben ist. Niemand auf den riesigen Avenues. Sehr lustig. Dabei haben die Geschäfte offen. A propos Geschäfte: Ich muss was beichten. Es war nämlich so, also, ich war bei der Tourist Info und habe für Dienstag meinen Ausflug zu den Niagarafällen gebucht. Übrigens spricht man Niagara hier "Neiägra" aus. Das hat mir Greg beigebracht. Leider kann ich mir das nur merken, indem ich mich daran erinnere, dass man es genauso ausspricht wie Viagra im Englischen, also "Veiägra". Hilft aber. ;-) Learning English by relating pronounciation to sexual objects. I do it my way.
Jedenfalls bin ich dann der Masse gefolgt und die hat mich in eine MONSTER-Shopping Mall geführt. Der Hammer. Und ich habe NICHTS gekauft! Bis ich am MANGO vorbeiging. Mööök! Feeehler! Aber die Sachen sind alle ganz toll und ich brauche sie ja alle so unbedingt ;-) Ich konnte jedenfalls meine Comicfiguren-T-Shirt-Sucht nähren. Siehe oben: Ist das nicht großartig? Ich hab mich totgelacht. Die Kassiererin auch, weil ich dummer Europäer das Kreditkartensystem nicht gecheckt hab (hier stecken die Kunden ihre Karte selber rein und raus und unterschreiben wie selbstverständlich auf einem Touchpad und ich hab doch keine Ahnung). Muha. Well.
Hab mich jedenfalls dann mit einer Tüte voll Glück aus 100% Baumwolle auf den Weg gemacht, um weiter all die Sachen anzuschauen, die ich in den letzten Tagen ausgelassen hab, das Meiste war aber relativ unspektakulär. Das Lustige ist, hier sind sogar die obdachlosen Alkoholiker eine Unterhaltung wert. Wenn sie dich um 2 Dollar bitten, entschuldigen sie sich erst 2 Minuten und betonen, wie furchtbar leid es ihnen tut, dass sie mich aufhalten müssen. War heut spendabel und wurde einmal verabschiedet mit "Danke, ich hoffe, Sie genießen heute ein gutes Abendessen, Mam" und das andere Mal mit "Danke vielmals, jetzt gehen Sie aber schnell an den Hafen, wo die Sonne noch scheint." Süß. Da möchte man doch gleich noch 'nen Dollar hinterherschmeißen.
War also ein easy day. Morgen geht's aber auf die Insel, also den Toronto Island Park. Schaut euch das bei google-map oder so an, des is a bissi schwierig zum Erklären. Aber großartig, alles grün und ich freu mich. Und - Achtung, Witz folgt - ich werde mir wohl morgen nochmals für einen Tag ein Fahrrad mieten. *jetzt Sitcom-Gelächter vom Band einspielen* Hab nur damit bis morgen gewartet, weil Bob meinte, am Wochenende ist die ganze Stadt da und das wollte ich vemeiden. Und vielleicht, vielleicht finde ich ja auf der Insel endlich einen Ahornbaum.
So viel von mir. Ich werde jetzt den Rest vorzüglicher Sushi goutieren und dann das Schlachtfeld auf meinem Bett beseitigen.
Fotos hier:
Toronto - Day 2

Toronto - Day 3
Herzlichst,
Miss Maple