16 August 2009

Hello from Toronto!

Und hintergeschickt sei gleich ein großes dickes WOOOOOOOOOOW, das ich noch um ein WTF??!!! ergänzen möchte. Wo bin ich denn hier gelandet?! Städtemäßig ist das das absolute Highlight! Aber der Reihe nach. Ich muss mich nur etwas beruhigen, weil ich seit ich hier bin echt aus dem Wow hier, Wow da! nicht mehr rauskomm. Sagenhaft, einfach saaageeenhaft! Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll mit dem Schwärmen.
Vielleicht fange ich an mit Bob. Bob habe ich auf der Zugfahrt von Montréal nach Toronto (oder "Trawna", wie sie hier sagen, hier nuscheln sie alle so, das ist furchtbar) kennengelernt. Bob schreibt und produziert Fernsehserien fürs kanadische Fernsehen und ist waschechter Torontonier (heißt wirklich so). Bob ist einfach nur saucool und hat mir während der 5-stündigen Fahrt 2 Servietten mit Tipps vollgeschrieben und seine Email-Adresse in meinem Rolling Stone-Magazin hinterlassen. Bob ist ein Paradebeispiel für das, was ich am Leben und am Reisen liebe. Vielleicht seh ich ihn nie wieder, aber die kurze Zeit, die wir unser Leben geteilt haben, wird mir immer in Erinnerung bleiben. Wir haben den Sonnenuntergang zusammen erlebt, während wir festgestellt haben, dass sheepish eigentlich dogish heißen müsste, Ideen einen Klang haben und Bobs Schwester Opernsängerin in Kiel ist. Ha! Und als wir am Hbf ankamen, hat Bob noch meinen Koffer nach oben getragen und dann haben wir uns ein schönes Leben gewünscht.
Ich habe nur 2 Minuten zum Hotel gebraucht, aber die haben gereicht, um mich zu verlieben. Die Wolkenkratzer in Toronto sind alle verglast, was eine wahnsinns Atmosphäre schafft, weil es überall glitzert und spiegelt und glänzt und leuchtet. Hervorragenderweise lebe ich genau zwischen einem Starbucks, einem Subway und einer Mall mit einem riiiiiesen Rich Tree. Rich Tree ist absolut genial: Ein Markt, wo du alles bekommst, was dein Herz (oder Magen) begehrt, alles wird frisch zubereitet, ob Pasta, Crepes, Fernöstliches oder sogar sowas wie Rösti und es operiert mit dem Vapiano-System, also du kannst dir kaufen oder einpacken lassen, was du willst und du zahlst dann am Ausgang über die Chipkarte. Deutschland, bitte nachmachen. Ich hab gleich am 1. Tag 40 Dollar ausgegeben. Aber nach 4 Wochen Amifutter hat mich diese Vielfalt hungrig gemacht und ich hab mir nach Rühreiern, Salat, Panini und Nudelgratin noch einen fetten Kuchen gegönnt. Haaach ja. Seitdem führt mich jeden Tag der erste und letzte Weg zum Rich Tree Markt und die Auswahl ist so groß, dass ich bestimmt ein halbes Jahr lang nie dasselbe essen müsste. Yumyum. Als ich das erste Mal eintrat, lief übrigens ein deutscher Schlager, so Andrea Berg-Schmarrn oder sowas!! Aber den Fehler haben sie seither nie wieder gemacht. Naja.
Nachdem wir jetzt das für mich Wichtigste, das Essen, besprochen haben, nun also zur Stadt: phänomenal! Sollte ich je auswandern, steht Toronto garantiert ganz ganz weit oben auf der Liste. Ich bin noch nie so viel zu Fuß gelaufen wie die letzten 2 Tage, aber ich bin kein bißchen erschöpft. Es ist einfach ein Genuss durch diese Straßen zu laufen, die von einer Ecke zur anderen komplett anders aussehen können. Toronto ist das New York Kanadas, absoluter Hot-Spot, aber im Gegensatz zu New York sind die Leute viel entspannter und niemand steht unter dem Druck, wichtig sein zu müssen. Bob hat die kanadische Mentalität sehr gut beschrieben: Die Kanadier sind das Äquivalent zum stillen Jungen in der Schule, der nicht viel sagt, aber genau beobachtet und deshalb keine schlechteren Noten bekommt. Obwohl ich NY wirklich liebe, lebt die Stadt auch von ihrer Pseudo-Trendiness und im Gegensatz dazu ist den Leuten in Toronto so scheißegal, wie sie in der Welt rüberkommen. Und sie kommen verdammt gut rüber! Die Stadt ist übrigens unfassbar sauber, die Straßen sind breit und hell (kommt vielleicht auch vom vielen Glas) und man fühlt sich einfach gut, wenn man da durchläuft. Jedenfalls hab ich gleich an meinem 1. Tag so viele verschiedene Ecken gesehen: vom Entertainment District im Süden über Downtown zu den nördlichen Stadtteilen Yorkville (mit alten Häusern ähnlich Beacon Hill in Boston, traumschön) oder Chinatown. Letzteres hat mich sehr überrascht: Ich mochte die Chinatowns in den anderen Städten auch sehr, aber dieses Chinatown ist echt der Abschuss. Natürlich fühlt man sich in Chinatown immer ein bißchen so, als könnte man an jeder Ecke die Vogelgrippe kriegen. ;-) Nicht in Toronto! Ich hab da 5kg Obst eingekauft und mich von Laden zu Laden gehangelt. Dieses Chinatown ist riesig, aber da es an der Spadina Avenue angesiedelt ist, sind auch hier die Bürgersteige breit, die Läden auch, man hat überall Platz, alles ist hell und aufgeräumt, sauber, wunderbar. Mitten drin befindet sich auch noch Kensington Market, sowas wie Camden Market in London. Sowohl Bob als auch Shirley (die aus New York, die aber aus Toronto stammt) hatten mir das unbedingt empfohlen. Ich hab 100 Dollar für Klamotten dortgelassen, dabei wollt ich doch eigentlich nichts mehr...naja. Wirklich ein Wahnsinnsviertel. Die Häuser sind so süß und bunt und es ist überhaupt nicht vollgestopft mit Touristen.
Bob hatte mir schon angekündigt, dass Toronto dafür berühmt ist, dass sich die verschiedenen Ethnien hier nicht als Kanadier sehen, aber absolut fried- und freundlich nebeneinander leben und das ist wirklich so. Es gibt nicht nur Chinatown, sondern Little Italy, Greece, Portugal, Carribean, whatever. Alles sehenswert und mit ganz eigenem euro-amerikanischen Charme.
Übrigens bin ich hellauf begeistert vom architektonischen Geschmack der Torontonier. Ob modern oder alt. Sie erhalten Altes und sie wagen Neues und es gibt hier keine hässlichen Klötze. Am Abend hab ich mich spontan noch auf den Weg zum CN Tower gemacht. Er hat die höchste Aussichtsplattform der Welt und ich hatte bis zu diesem Punkt keine Vorstellung davon, was hoch ist. Nur mal zum Vergleich: Die Aussichtsplattform am Olympiaturm ist auf 182m Höhe. Der CN Tower ist auf 447m!!! Das ist 2 1/2 mal so hoch! Unfassbar! Man sieht bis in die USA! Aber wirklich unbeschreiblich geil! Vor allem als es langsam dunkel wurde... die erleuchtete Skyline zu sehen, ach was, die gesamte Region, ist wirklich atemberaubend. War fast 2h oben, weil es so viel zu sehen gibt. Zu der Zeit lief im Stadion unter mir gerade ein Footballspiel. Hätt ich mich ausgekannt, hätt ich genau erkennen können, was passiert.
Ja. Das war also Tag 1. Und eigentlich wollt ich jetzt noch von meinem grandiosen Tag 2 erzählen, aber angesichts der Tatsache, dass es 4.50 Uhr ist, geh ich wohl besser in die Heia und schreibe morgen. Nur so viel: saaaaaageeeenhaft! :-) Toronto rocks! I love it! Fotos von Tag eins gibts hier:
Toronto - Day 1

Nightnight!
I