13 August 2009

K(o)ana-da

Hatte einen grandiosen letzten Tag in Montréal. Habe viel darüber sinniert, dass ich all die Zeit allein hier war... und mich darüber sehr gefreut. Anders findet man seine innere Ruhe nicht. Merkt euch das. Peace comes from within. So, aber genug, der einsame Wolf in mir schweigt jetzt. Ah, ich kann nicht fassen, dass bald alles vorbei ist, ich bin noch nicht bereit für Zuhause. Nun ja. Die Wehmut und Abschiedsangst zeichnet sich am Horizont ab. Aber heut nachmittag fahr ich ja erstmal noch nach Toronto oder "Trawna", wie es die Einheimischen aussprechen, muha.
Hey, ich wurde gestern wieder aufs Äußerste gefordert. Bin zu Beginn des Tages (hehe, das war gegen 12 Uhr mittags) auf den Mont Royal geklettert, das ist ein großer Park mitten in der Stadt auf einem Berg, ähnlich wie in Prag. Ich hatte mir das schon anstrengend vorgestellt, aber steil war in diesem Fall noch gar kein Ausdruck. Oh man, ich bin so ein Pudding. Bis ich da oben war, sind 8 kätzische Leben von mir gegangen. Und das neunte hat oben angekommen ganz schön gehechelt. Aber der Ausblick hat den Aufstieg belohnt. Wunderbar! Siehe Fotos. Siehe hier:
Montréal - Day 4
Bin beim Abstieg dann einer Horde Eichhörnchen in den Weg geraten, die mich hasserfüllt angeblickt hat, weil ich auf einen ihrer Nussstapel getreten bin. Diese Trottel, schon mal was von Vergraben gehört?! Naja, aber wenn ich an Tiere denke, muss ich sofort Wechseln: Ich hab meinen ersten original kanadischen Biber gesehen!!! Mei, war ich glücklich, wie ein kleines Kind! Aber der war so süüüüß, noch eher klein, und dieses Mäulchen und die Hasenzähne und das platte Schwänzchen, meiiiiii. Wollte ihn schon mit nach Hause nehmen, aber ein Bieber reicht völlig. ;-) Und wie sie laufen, hahaha. Müsst ihr mal anschauen. Wo, weiß ich zwar nicht, abr wer schon mal einen Biber beim Laufen beobachtet hat, der weiß, was Humor ist.
Das war jedenfalls auf der Île Sainte-Hélène, wo ich nach dem Park war. Sehr schön. Dort hat 1967 die Expo stattgefunden und ein paar Dinge sind erhalten geblieben, unter anderem ganz viele schöne Ecken mit Blumen. Vor allem die Nebeninsel Île Notre-Dame ist voll mit Blumen. Traumhaft! Da steht auch das Casino (das aussieht wie ein Kreuzfahrtschiff) und der Formel-1-Kurs, benannt nach Jacques' Vater. Beim Namen Villeneuve kamen natürlich viele Erinnerungen auf, hach ja. Anyway. Ich werde den Teufel tun und peinliche Geschichten aus meiner Jugend aufwärmen. Jedenfalls wird die Strecke außer dem Rennen als Strampelkurs für Radfahrer benutzt, das war sehr interessant zu sehen. Überhaupt mal wieder Radler zu sehen.
Direkt an der Brücke zwischen den beiden Inseln steht auch noch dieses riesige runde Stahlding, das sich als Umweltmuseum entpuppt hat. Sieht sehr gut gemacht aus und hätte ich mehr Zeit gehabt, wäre ich ganz sicher hingegangen, ich war nur nicht in Stimmung für Ökosystemlehre an einem 30-Grad-Nachmittag mit blauem Himmel. Dafür hab ich beim Rausgehen nochmal den Biber vorbeilaufen sehen, haha. Ich glaub, ich bin schon lang nicht mehr so viel gelaufen wie gestern. Bin richtig stolz auf mich, auch wenn sich meine Knie nun um 4 Uhr morgens beschweren. War aber gut und die Strecken gestern waren auch sehr hübsch, mit viel Grün und Wasser. Unglaublich, wie sauber der St.-Lorenz-Strom ist.
Vor meinem Fenster rufen sich 2 Frauen übrigens gerade französische Schimpfwörter zu. Ich kann nur aufgrund der Betonung erahnen, was sie bedeuten, aber im online-Wörterbuch hab ich sie nicht gefunden, also geht es wohl um Körperteile. Klingt aber genial. Ansonsten hab ich nicht wirklich viel zu berichten. War ein schöner Abschied aus Montréal, das viel hübscher aussieht, wenn die Sonne scheint. Bin zwischen Park und Inseln noch etwas durch einen noch unbekannten Stadtteil gelaufen und habe auch endlich gefunden, wo all die Einwohner stecken. In der Rue Sherbrooke. Ich kann also glücklich s...chlafen gehen.
Iris sagt ein letztes Mal Gute Nacht aus Quebec.