20 August 2009

Water falls - from my eyes

So it's one last time from Toronto, Canada, North America.
Die letzten beiden Tage waren wieder magisch, anders kann ich's nicht sagen. Vorgestern war ich im Toronto Island Park. (Nachdem ich beim Frühstücken heute die Scorpions hören durfte, aber besser als das Knatterfeld.) Zunächst: Die Fähre hin und zurück war genial. Man hat gar nicht gespürt, dass man auf dem Wassr ist, es war mehr ein Dahingleiten, aaaah. Und lässige skipper. Yum. Aaaanyway.
Ich habe den gesamten Tag auf der Insel verbracht und ich habe es zu eurer (zumindest zu Judits ;)) Enttäuschung unterlassen, mir ein Fahrrad zu leihen und bin die ganze Strecke gelaufen. Herrlich. Kaiserwetter, was mich äußerlich wieder einem Indianer ein Stück ähnlicher gemacht hat. Die Insel hat eine sehr schöne Aufteilung: In der Mitte gibt es einen kleinen, sehr feinen Freizeitpark, das Meiste ist für Kinder, aber es ist so süß gemacht, dass sogar ich gerne durchspaziert bin. Es macht Spaß mitanzusehen, wie Kinder sich gegenseitig aus den Waggons schubsen oder von einer Gans verfolgt werden, die sie am Schwanz gezogen haben. Muhaha. Recht so, schnapp sie dir, Gänschen. >:-) Jedenfalls befindet sich neben dem Park eine kleine Tierfarm und da hab ICH mich gefühlt wie ein kleines Kind. Awww, ich liebe Tiere. Esel und Schweine und sogar Emus. :-) Wie blöd die glotzen können, haha. (@Emu: Du bleibst definitiv mein Lieblingsemu). Naja. Jedenfalls ist das alles in der Inselmitte und drumherum ist alles Park und Strand und Wasser. Wunderbar! Ich muss sagen, dass ich sehr glücklich war, weil ich nach Block Island nicht damit gerechnet hatte, nochmal Sandstrand unter meinen Füßen zu spüren. Aber ich durfte! Und der Ontariosee ist wunderschön klar und der Sand ist zum Teil rot und ganz weich. *herzspringt* Und vor allem, egal wo man ist, man hat von überall einen wunderschönen Blick. Siehe hier:
Toronto - Day 4
Ich glaube, es wohnen nur reiche Verrückte auf der Insel oder alte 68er oder so. Es ist ein einziges Amusement, sich da die Häuser anzuschauen. Wie sie hergerichtet sind. Muha. Es müssen Freigeister sein. Herrlich. Ich hab den ganzen Tag mit Spazierengehen durch diese Gefielde verbracht, zwischen Leuchttürmen, Sandstränden (ich weiß jetzt auch, das FFK-Strand "optional clothing beach" heißt, aber es war eine harte - nicht wörtlich, bitte - Lektion, die mir da erteilt wurde und ich kann nur sagen, dass nackte Amerikaner nicht gerade ästhetisch sind, allerdings erstreckt sich die XXL-Mentalität interessanterweise immerhin auch auf baumelnde Körperteile), Bootsreihen, Blumenwiesen, stets begleitet von dieser warmen Brise, die es nur am Wasser gibt. Gegen Abend hab ich mich dann an einen einsamen Anlegesteg gesetzt und Steinbeck gelesen, während ich eine Fähre nach der anderen habe ohne mich fahren lassen. Ich wollte nämlich den Sonnenuntergang von der Insel aus sehen. Hab dafür 3h gewartet, mit einer erstaunlich klugen Ente kommuniziert, die mir im wahrsten Sinne des Wortes aus der Hand gefressen hat und Flugzeuge etwa 300m neben mir beim Landen auf dem City Airport beobachtet. Ich mag Flugzeuglärm. Hat was von Sehnsucht und Fernweh, Gefahr und Heimkommen. Ich glaub, ich zieh nach Erding auf die Landebahn. Vielleicht brauchen die ein Hausmeisterfräulein, wenn es mit dem Schreiben nix wird. Wobei, dann zieh ich lieber auf die Insellandebahn in Toronto. Anyway.
Ich war dann gegen halb neun doch etwas verzweifelt, denn irgendwie wollte die Sonne nicht untergehen, mir hat's aber dann doch langsam gerreicht. Bin also leicht enttäuscht (aber nur gaaanz leicht) auf die nächste Fähre gehüpft, wo mich der grauhaarige skipper gleich wieder aufgemuntert hat und dann stellte sich heraus, dass ich es nicht besser hätte planen können, denn ich war mitten auf dem Wasser, als plötzlich von einer Sekunde auf die andere der Himmel rot wurde. Und meine Hamsterbacken sicher auch vor Begeisterung.
Das ganze Sonnenschauspiel hat nur ein paar Minuten gedauert und ich hab alles auf Foto erwischt. YAY! Oh, war ich glücklich. Hätte ich eine Fähre früher oder später genommen, hätt' ich's verpasst. Und dann hab ich mir noch ob dieser fremdverschuldeten Genialität im Rich Tree eine doppelte Portion Rösti und ein Monster Mousse au Chocolat gegönnt und der Tag war gut.
Und dann kam mein Ausflug zu den Niagarafällen. Waaahnsinn. Nicht nur das Wasser, though.
Es fing damit an, dass ich diese Tagestour gebucht hatte und ich die erste von 40 Leuten war, die vom Busfahrer/Tourguide - Patrick - im Hotel abgeholt wurde. Ich durfte mir also meinen Platz aussuchen und natürlich hab ich den Doppelsitz ganz vorne rechts gewählt, was mich für den Rest des Tages dann zu Patricks "Co-Pilot" gemacht hat. Ich sollte erwähnen, dass Patrick ein Italo-Kanadier ist, der gefühlte 10 Sprachen spricht und so ungefähr ALLES über Kanada, Italien und das UK weiß. Faszinierend. Und nebenbei hab ich mir noch nen Ast abgelacht aufgrund seines großartig-sarkastischen Humors. Ich könnte hier hunderte seiner Witze erzählen, aber er nennt beispielsweise seine Tourgruppen "Weirdos" (HA!), mag grundsätzliche keine Menschen, die sich selbst nicht seltsam finden und bringt seinen Touristen kanadische Slangwörter wie "wobbly pop" (=Bier) bei. Iris loves this. Mir war auch ziemlich schnell klar, dass Patrick Gefallen an mir gefunden hatte, was in seinen Worten "a very attractive kindred spirit" heißt. Well, Patrick, likewise.
Ich kam mir jedenfalls vor, als würd ich den Tag mit einem alten Freund verbringen, ich hab mich totgelacht und genossen, dass ich immer eine Extrawurst bekommen hab. Patrick hat mir Kaffee spendiert und seine Moderationen per Mikrofon während der Busfahrt enthielten alle 5 Minuten einen persönlichen Hinweis an mich (sowas wie "...Niagara-on-the-lake is a famous city for annual national political conferences. Iris, look at the left: see? Lots of maple trees! George Bernard Shaw came to live here and a theatre is bearing his name today, you can see his statue when you look at the right...") Und als jemand nach dem Stop an den Wasserfällen meinen Beinfreiheit-gewährenden Sitz einnehmen wollte, hat er ihn weggescheucht, hahaha. ("That's your seat. Nobody sits on your seat.") Priceless. Jedenfalls hat er den Titel Co-Pilot ernstgenommen. Ich wurde während der Hinfahrt schon als Co-Tourguide eingespannt, musste seinen Ordner rumreichen, Kommentare zu den Themen beisteuern und als wir einen 10-Minuten-Stop am Whirlpool (dem Ort, an dem der Niagara River einen Strudel bildet) gemacht haben, antwortete Patrick auf die Gruppen-Frage, wo entlang sie gehen sollte: "Follow my Co-Pilot!" Hahahahahaaaaaa, ich liebe ihn.
Anyway. Zu den Sehenswürdigkeiten. (Dass ich erst jetzt davon spreche, zeigt aber nur, wie viel Spaß ich auch drumherum habe und das war meine ganze Reise über so.) Well, zunächst sind die Wasserfälle gigantisch, obwohl ich sie mir noch größer vorgestellt hatte, aber das war mein Fehler, denn man hat eine verzerrte Größenvorstellung durch all die Fotos und Filme, die man immer sieht. Also, sie sind trotzdem GEWALTIG. Ja, das ist das richtige Wort. Und beeindruckend. Und man kann sehr viel Spaß haben mit ihnen. Seht selbst.
Niagara Falls
Ich bin gleich nach der Ankunft aufs Boot - die "Maid of the Mist" - gegangen, die ganz nah an die Wasserfälle heranfährt. Patrick hatte uns schon gewarnt, man solle ja den blauen Poncho überziehen, den man kriegt, denn das Boot hieße nicht umsonst so. Einige haben das trotzdem nicht ernst genommen und beim kleineren Teil der Wasserfälle, an dem man zuerst vorbeifährt, kriegt man tatsächlich relativ wenig Gischt ab. Umso mehr hab ich mir gehäßig ins Fäustchen gelacht, als bei den Horseshoe Falls (dem großen Teil) alle diese Menschen aussahen, als hätte man sie mit 70 Eimern Wasser übergossen. Hahahahaha! Das war der Hammer, was man da abkriegt, aber es war saulustig! Ich sah danach aus wie eine Hexe, aber das war's wert! Ich hätte nicht gedacht, dass man gefahrlos so nah ranfahren kann! Wirklich beeindruckend!
Danach hatten wir Freizeit und ich bin den Weg an der Aussichtsplattform entlangspaziert. Ich bin so froh, dass ich die Fälle von der kanadischen Seite aus sehen konnte, denn die Amis sehen von ihrer Seite ja fast überhaupt nix, hahaha. Ein weiteres Mal (unbewusst) perfekt geplant, Spiegel-bergerin. Von Kanada aus sieht man dagegen alles. Sagenhaft. Aber auch ein komisches Gefühl, dass man quasi auf der anderen Seite der Schlucht die USA sieht!! Aber nirgends Polizei. Naja, ne Grentzkontrolle brauchen sie da ja nicht. Das regelt der Niagara schon. ;-) Lustig halt, dass man nur über die Rainbow Bridge spazieren müsste und man wäre in den USA. Ach und wenn ich bei Rainbow bin: Ich dachte irgendwie, die ganzen Postkarten mit dem Regenbogen an den Niagarafällen wären computeranimiert, aber die sind ECHT! Ich war ganz aufgeregt, als ich sie entdeckt hab. Ist aber eigentlich klar mit Sonne und dem Sprühregen die ganze Zeit, aber die Welt ist böse und künstlich und wer denkt denn da noch, dass da was Natürliches sein könnte?! ;-) Den "Regen" hat man übrigens noch mehrere hundert Meter entfernt gespürt, also wundert euch nicht, wenn eure Postkarten verwischt sind. Tja, jedenfalls bin ich sehr sehr froh, dass ich diesen Ausflug noch mitgenommen hab. Und der war weiß Gott nicht zu Ende mit den Wasserfällen.
Patrick hat uns dann noch landeinwärts durch die Berge und Täler der Region gefahren und die Landschaft ist traumhaft. Voller Weinberge, Schluchten und dem Fluß, der eine unfassbare Farbe hat. Wir waren nach dem Whirlpool (wo es eine Seilbahn von 1916 über der Schlucht gibt, hua, da spring ich lieber gleich) noch bei der Floral Clock, der einzigen Uhr der Welt, die rein aus Blumen gebaut ist und jedes Jahr anders aussieht. Und dann sind wir noch als Abschluss auf ein Weingut gefahren und haben umsonst Rot-, Weiß- und sogar Eiswein probiert. (Und Patrick hat mir zugemurmelt, dass ich Maple Syrup um die Hälfte günstiger in jedem Supermarkt kriege und den Scheiß nicht glauben soll, der auf den Flaschen steht, muha). Aber der Wein war wirklich hochqualitativ. Und als wir dann nach Toronto zurückgekeht sind und er seinen "best Co-Pilot for a very long time" als letztes nach Hause gefahren hat, war ich sehr glücklich über einen sehr schönen Tag, den ich trotz des sehr charmanten Angebotes eines Tourguides zu zweit mit mir verbracht habe. :-) ("Iris: You're a Gemini, you're a schizophrenic.") Jaja, die Italiener. Grazie mille!
So. Und jetzt sitz ich hier und bin unsäglich traurig und will nicht drüber reden. ;-) Aber jede Träne, die ich weine, weil ich morgen Abend nach Hause muss, ist eine des Glücks. Ich kann nichts, NICHTS Schlechtes über diese Reise sagen. Sie war und ist vollkommen. Und wenn ich morgen ins Flugzeug steige, dann gehe ich als zutiefst dankbarer Mensch und mit der Gewissheit, dass ich bald wiederkomme. Ich habe Eindrücke, Erkenntnisse und Freunde gewonnen, die mich für immer begleiten werden. Und um persönlich zu werden: Ich habe es vom ersten bis zum letzten Tag genossen allein zu sein. Oder besser: ungestört zu sehen. Denn allein hab ich mich nie gefühlt (bis auf einen Tag in New York vielleicht). Aber naja. Den Einfluss dieser Reise werdet ihr sehen, wenn ihr MICH seht. Das kann man nicht in Worte fassen, also versuch ich's erst gar nicht.
Tja. Das war's dann wohl. Ich muss jetzt schlafen, es ist 3 Uhr nachts, obwohl ich nicht weiß, wie. Es war schön. Es ist schön. Und es wird es wieder.
One sunny morning we will rise, I know.
I'll meet you further on up the road.

Bye-spy